I.AM

Ich bin tief berührt von der Schönheit um mich herum. Mein Leben ist einzigartig und jeder Moment davon ein Geschenk. Ich liebe Worte, Klang, Farben, Formen und ihre Bewegungen im Raum. Ich liebe es, wie jedes Bild vor dem inneren Augen ein Teil des großen Ganzen ergibt und wir im Werden und Vergehen der Zeit, unsere eigene Realität immer wieder neu erschaffen. Ich liebe Emotionen, in ihren tiefsten und ehrlichsten Ausprägungen und die Kraft die jede einzelne Zelle unseres Körpers in Schwingung versetzen. Die Natur ist ein Kunstwerk. Sie bewegt sich zyklisch, immer wieder zurückkehrend zu einem Punkt der Stille um von da aus wieder in ihr höchstes Potential zu finden. Das größte Geschenk das ich jemals bekommen habe ist, dieses Leben in all diesen Ausdrücken wahrzunehmen. Sehen. Hören. Riechen. Schmecken. Fühlen.

Was mein Herz jedoch noch schneller zum Schlagen bringt sind jene Worte, Klänge, Farben und Formen die sich unserer Fähigkeit sie bewusst wahrzunehmen, entziehen. Der menschliche Verstand entzieht sich der Intelligenz der natürlichen Kräfte und kann sie nicht annähernd zur Gänze erfassen. Die Welt unter der Oberfläche des Eisberges zu erforschen, in der Tiefe des Unbewussten, einem Raum der Fülle und Leere zugleich, ist wohl meine größte Aufgabe in diesem Leben. So ist alles was jemals war, jemals gedacht oder gesagt wurde sowie jede Bewegung, all das was heute ist und morgen sein wird.

Schon als kleines Kind wusste ich, ohne wirklich zu wissen, dass es so viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt die Welt zu erleben, wie es Lebewesen auf dieser Welt gibt. Bis zu jenem Zeitpunkt an dem ich gelernt habe, Gutes von Bösem und Licht von Schatten zu unterscheiden, aber vor allem zu bewerten, war ich mir meinen Träumen und dem wie ich mich hier ausdrücken möchte völlig klar. Jeder einzelne Ausdruck dessen was wir wahrnehmen war und ist für mich etwas Besonders und ebenso vollkommen. Jedoch ist es oftmals allzu leicht sich von seinen Träumen zu entfernen und an einem Ort zu verweilen der sicherer erscheint. Träume sind illusionäre, nicht greifbare Bilder vor unserem inneren Auge, die in tiefem Bedürfnis darauf warten von uns erschaffen zu werden. Ebenso real und nicht greifbar wie die Gedanken in unserem Kopf. Als Teil dieses unendlichen alchemistischen Schauspieles durfte auch ich mich von mir selbst entfernen, mich fragen was all das hier eigentlich soll und die physischen, emotionalen und spirituellen Kräfte in all ihren Facetten spüren. Ich wollte immer verstehen. Bis ich das Verstehen, verstehen wollte und mittlerweile weiß, dass ich nichts weiß.

Ich bin weit gereist um hier herzukommen. An einen Punkt an dem ich mir lange gewünscht habe zu sein. Ich habe viele verschiedene Orte der Welt gesehen und alte Plätze wieder neu entdeckt. Ich habe unzählige Stunden an Universitäten und dem Wissen von Menschen verbracht, von denen ich dachte sie würden es besser wissen. Ich war naiv genug zu glauben, dass mir mein akademischer Weg meine Fragen beantworten und mir zeigen würde, welche Dynamik hinter allem steckt, welche psychodynamischen Kräfte einen Gedanken formen und ihn Realität werden lassen.

Ich wurde keine Psychologin oder Soziologin um Diagnosen zu erstellen und die Menschen in Schubladen zu stecken. Genauso wenig bin ich davon überzeugt, dass Psychopharmaka ein Leid heilen anstatt es eher zu unterdrücken und die eigene Wahrnehmung zu verzerren. Ich be-handle keine Menschen, weil das bedeuten würde, ich wüsste es besser. Jeder ist Experte seiner eigenen unendlich wertvollen Welt, daher sehe ich Kunst eines wirklich guten Psychologen in der Art und Weise wie er einem Menschen begegnet, ihn begleitet sich zu entwickeln und all das was ihn ausmacht als unendlich großes Potential zu erkennen und seine Geschichte zu verstehen. Das Leben ist immer für uns und gibt uns jeden Moment die Chance zu erkennen, dass alles was wir tun unendlich wertvoll ist für alles um uns herum.

Durch mein Yoga habe ich gelernt meinen eigenen Raum zu halten, mich in all meinen Facetten zu erkennen und vollständiger zu werden. Vollständig im Einklang mit der Frau, die damals ihren Träumen so nahe war. Als Lehrerin habe ich gelernt einen Raum für meine Schüler zu erschaffen, indem sie sich erlauben dürfen viele vielleicht unterdrückte Aspekte zu erkennen und somit Licht in die Dunkelheit zu bringen. Bevor wir je andere Menschen lieben können, müssen wir lernen in bedingungsloser Hingabe unseren eigenen tiefsten Gefühlen und Wünschen Raum zu geben und uns erlauben uns selbst zu lieben.

Als jene Frau die ich heute bin, gebe ich einem Menschen den Raum gesehen zu werden, mit Allem was da ist. Für mich ist jede Begegnung ein Geschenk das mir erlaubt einen kleinen Teil dessen wahrzunehmen, was ein Anderer aus tiefstem Herzen empfindet und sich wünscht. Yoga ist die Verbindung zu den Techniken die Jahrtausende alt sind und besonders heute mehr denn je der Schlüssel zu einem Leben sind, das uns endlich die nötige Akzeptanz geben kann, dass alles seine Berechtigung hat und ein wichtiger Teil vom großen Ganzen ist. Denn jeder Widerstand, sei es einer physischer, emotionaler oder spiritueller Art ist eine Chance. Eine Chance in gewohnter und manchmal leidvoller Situation zu verweilen, sich selbst zu bemitleiden und andere für seine Entscheidungen zu beschuldigen oder die eigene Tiefe in ihrer ehrlichsten Form zu spüren, aus ihr zu lernen und sich für das eigene höchst mögliche Potential zu entscheiden.